Bernd Wachtmeister

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Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Mein Name ist Bernd Wachtmeister. Seit etwa 17 Jahren beschäftige ich mich professionell mit Visueller Kommunikation. Das Zusammenspiel von Form und Farbe beim Malen und Zeichnen haben mich schon als Kind fasziniert. Dieser Leidenschaft ist mein Beruf des Dipl. Designers (Grafikdesign) entsprungen. Viele Kundenaufträge hauptsächlich aus dem Bereich Werbung/PR waren und sind seitdem mein tägliches Brot: Illustrationen, Signets, Anzeigen, Graphiken, Broschüren, Flyer, Poster, CI, Webdesign u. v. m.

Seit circa 7 Jahren entwickle ich aber, wie auch schon vor meiner Studienzeit, eigene, auftragsfreie, farbenreiche Bilder, die ich als limitierte Kunstdrucke zum Verkauf anbiete. Im Gegensatz zu früheren Bildern sind die heutigen per (Apple-)Computer erstellt also digital und so ergibt sich statt eines einzelnen Originalbildes im Grunde nur ein Datensatz.
Der Umstand, über meine freien graphischen Werke in den letzten drei Jahren sehr viel Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten zu haben, hat mich darin bestärkt, meiner künstlerischen Arbeit mehr Zeit und Raum zu geben und mich inzwischen auch voll und ganz als Bildender Künstler zu fühlen und zu verwirklichen.

 

Ich habe entdeckt das Sie einige Ihrer Arbeiten im Internet zu finden sind, so das die Öffentlichkeit Ihre Bilder Lizenzsfrei nutzen können. Das entspricht in den Grundzügen etwa Creative Commons und Public Domain.

Was hat Sie bewogen einige Ihrer Arbeiten freizugeben und wie stehen sie zu der freien Kultur?

Meine Gefühle zur lizenzfreien Abgabe der Bilder über das Internet sind etwas gemischt. Einerseits ist es mein Wunsch vielen vieles meiner Arbeit zu zeigen und meine Werke damit bekannter zu machen. Andererseits bestreite ich mit meiner graphischen Arbeit auch meinen Lebensunterhalt und kann auf die Möglichkeit über mögliche Bild-Lizenzen Einkünfte zu erzielen, kaum verzichten. Grundsätzlich stehe ich dem Gedanken einer „freien Kultur“ aber positiv gegenüber. Selbstverständlich müssen auch hier Regeln bestehen und respektiert werden. Foren wie „OpenClipart“ ermöglichen ihren aktiven Mitgliedern weit mehr Möglichkeiten als nur Inspiration und kommunikativen Austausch.

Kennen Sie Dienste wie zB OpenClipart oder Devianart ?

„Deviantart“ kenne ich schon etwas länger. „OpenClipart“ erst seit kurzem. Ich befürchte, dass ich eventuell altersmäßig hier nicht mehr ganz zur Ziel- bzw. Usergruppe gehöre, was ich aber nicht als Problem ansehe. Ich glaube, das Kommunikationsmedium Internet kompensiert Altersunterschiede generell sehr gut

Ihre Bilder könnten auch mit Inskscape erstellt worden sein
Verwenden Sie auch Open Source Software für Ihre Grafiken?

Ich arbeite bereits seit vielen Jahren mit Adobe Illustrator. Open Source Software habe ich bislang noch nicht verwendet. Wenn man so lange an ein Softwareprogramm gewöhnt ist und inzwischen alle Funktionen und die meisten Tastatur-Kurzbefehle kennt, möchte man das schnelle und bequeme Arbeiten mit dem vertrauten „Digitalhandwerkszeug“ ungern wechseln. Andererseits bin ich neuen Möglichkeiten gegenüber aufgeschlossen und hier durchaus interessiert.

Zeichnen Sie ausschließlich an Computern ?

Ich zeichne nicht immer und ausschließlich am Computer. Erste figürliche Studien zu späteren digitalen Bildern entstehen handgezeichnet mit einem Füllfederhalter oder Tuschestift. Auch male ich hin und wieder mit Acryl und modelliere aus Ton. Manchmal fertige ich auch Collagen von fertigen Vektorgraphiken, aus deren linierten Begrenzungen ich Schablonen farbigen Papiers schneide.

Ihre Werke bestechen durch klare, einfache Formgebung und sehr gute Farbharmonie. Vielleicht erklären Sie Ihren Stil und Ausdruck anhand von Beispielbildern?

Herzlichen Dank für das Kompliment! Ich gebe gerne anhand einiger Beispielbilder Erläuterungen zu Stil und Ausdruck meiner künstlerischen Arbeit. Wenn ich ein Bild gestalte (ich sehe mich als Bildgestalter („Vektorgraphiker“) – keinesfalls als Digitalmaler), strebe ich grundsätzlich eine möglichst perfekte Komposition von Formen und Farben an.

Um einen klaren Bildausdruck zu erreichen, ist es mir wichtig, Kontraste (hell/dunkel, groß/klein, rund/eckig, usw.) bewusst einzusetzen und Inhalte des Bildes auf diese Weise abzugrenzen und zu akzentuieren. Mit großer Akribie feile ich meist sehr lange an meinen Werken bis sich ein möglichst vollkommenes Befriedungsgefühl einstellt. So ergibt sich oft ein Wechselspiel von lustvollem, euphorisch getragenem Gestalten bis hin zu qualvoller, nicht enden wollender Detailarbeit. Ich plane meine Bilder nicht – sie entwickeln sich. Dies geschieht fast organisch durch stetiges Addieren und immer wieder stattfindender Selektion. Auch ihre Aussagen mit den dazugehörigen Bildtiteln ergeben sich meist erst im Laufe des Entstehungsprozesses.

Das Bild „Love And Suffer | Lieben und Leiden“ besteht beispielsweise aus drei Teilen (Hintergrundzeichnung und zwei Figurenpaare in der Bildmitte), die ich letztendlich zu einem Bild zusammengefügt habe. Dieses Bild ist schon weit mehr „geplant“ als die meisten anderen.

Love and Suffer

Green Silk Stocking | Grüner Seidenstrumpf“ ist ein typisches „aus dem Bauch heraus“ kreiertes Bild. Es ist innerhalb von wenigen Stunden entstanden. Hier habe ich ganz nach Gefühl und Stimmungslage um die Figur herum transparente und sich überschneidende Farbverläufe eingesetzt, die das Bild bzw. die dunkle, weibliche Figur mystisch und unnahbar wirken lassen.

Green Silk Stocking

Eine viel zeitintensivere Arbeit war der „Problembär“. Die mosaikartige „Fellstruktur“ aus vielen einzelnen Pfaden zusammengesetzt, die diese Tierfigur aggressiv und unzähmbar wirken lassen soll, erforderte ein hohes Maß an konzentrierter Kleinarbeit.

Problembär

„Stop!“ ist eine der eher seltenen Graphiken meiner Werksammlung, bei denen die sonst überwiegend robust, flächig oder stark konturierte „Hauptfigur“ durch eine leichte Liniatur beschrieben ist. Hier wirkt der Hell-Dunkel-Kontrast. Zu diesem Bild habe ich zudem einen kleinen, etwas düsteren Text verfasst um zusätzlich etwas Hintergrund und Tiefe zu schaffen.

Stop

„Manchmal, wenn ich mich fruchtbar fühle“ besteht allein aus verschiedenen und unterschiedlich farbigen Phantasie-Tier-Silhouetten. Obwohl das Bild praktisch keinen Hintergrund besitzt, wirkt es durch die dicht angelegte Farben- und Formenvielfalt sehr geschlossen, bewegt aber dennoch harmonisch.

Fruitful

Wie entwickeln Sie ein Bild und wie bauen Sie es am Bildschirm auf?

Einiges zu dieser Frage ist bereits beantwortet.

Am Anfang der meisten meiner Arbeiten steht eine lockere Tuschezeichnung. Schnell, unverkrampft und emotional mit einem Füller zu Papier gebracht. Meist sind es viele kleine Figuren auf einem Blatt. Nach Scannen der Zeichnungen treffe ich eine Auswahl. Eine Figur, die mir besonders gefällt und zu der ich eine emotionale Beziehung habe oder aufbauen kann, wird aus Photoshop heraus „vektorisiert“. Nun beginnt die Arbeit in Adobe Illustrator. Der erste Arbeitsschritt ist das Optimieren (Glätten und in Form bringen) der neuen und nun durch Linien definierten Figur. Auch danach, wenn ich mit Größe, Form und Proportionen zufrieden bin, beschäftige ich mich zunächst nur mit meiner „Hauptfigur“. Farben, Kontur, Liniatur und mögliche Strukturen werden angedacht, ausprobiert und grob wird nun auch der Hintergrund mit einbezogen. So langsam wächst dann alles mehr und mehr in möglichst farbharmonischer Form zusammen. Wichtig und oft sehr schwierig ist es für mich den Punkt zu erkennen, an dem das Bild tatsächlich fertig ist und jeder weitere Schritt die Arbeit nicht mehr verbessern kann. Oft entstehen zudem viele Variationen, die (schwierige) Entscheidungen erfordern.

Haben Sie einen künstlerischen Rat für Nachwuchsgrafiker ?

Einen Rat, den ich an junge Nachwuchsgraphiker weitergeben kann, ist – und diesen, wohl den meisten hinlänglich bekannten Ratschlag habe ich vor einigen Jahren selbst von meinen Professoren bekommen – nicht zu vergessen, dass es für spätere Erfolge unabdingbar ist, sich jeden Tag möglichst viele Stunden mit graphischer/gestalterischer Arbeit – wie auch immer diese im Einzelfall aussieht – zu beschäftigen. Sicher ist Talent eine wichtige Voraussetzung aber ohne „das tägliche Training“ wird man keine Meisterschaft erreichen können. Ich denke es ist mit Leistungssport gut vergleichbar. Ganz wichtig ist es auch, sich stets an ausgezeichneten Arbeiten zu orientieren, wie sie zum Beispiel in angesehenen Fachzeitschriften wie der GRAPHIS zu finden sind.

Werden Wir in Zukunft noch weitere Grafiken von Ihnen Im Netz finden?

Selbstverständlich werde ich nach wie vor Bilder ins Web stellen. Ich werde dies zukünftig aber etwas gezielter, konzentrierter und nicht mehr so breit gestreut tun wie bisher.

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und zeige hier noch einige Arbeiten ohne Beschreibung:

savior_450.jpg . bernd_wachtmeister_hase.jpg collection1.jpg

Zur Webseite von Bernd Wachtmeister:

http://www.wachtmeister-art.de/

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