Interview: Ilja Lauber

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Im Laufe meiner Informationssammlung in meinem noch jungen OSS Leben stösst man lustigerweise oft auf die selben Personen in diversen Foren und Communitys. Eine davon ist Illja Lauber, besser bekannt unter dem Nick: ILL66. Durch aktive Teilnahme und bemerkenswerten Einsatz in diesen Bereich wurde ich neugierig wer diese Person ist. Nun ist daraus ein sehr schönes Interview entstanden.

Hallo Ill, stell Dich bitte kurz vor:
Ich bin Ilja Lauber, Baujahr 80 und Vollzeit-Computer-Nerdette😉 Mittlerweile habe ich das Glück, auch den Großteil meines Lebensunterhalts auf diesem Weg zu bestreiten. Ich arbeite im medienpädagogischen Bereich und betreibe nebenher noch ein Kleingewerbe im Bereich Web- und Printdesign.

Wie kam Dein erster Kontakt mit OSS zustande / Hintergründe ?
Das kam so: Meinen Einstieg in die digitale Kreativwelt fand ich wie wohl viele andere über, tja, verlängerte Demoversionen kommerzieller Programme, mit denen ich dann ein bisschen Tutorials nachbaute und dergleichen.
Parallel lief meine Entwicklung und Fortbildung im medienpädagogischen Bereich. Als ich meine ersten Konzepte entwickelte (besonders bezüglich jüngerer Klientel), überlegte ich mir als “Special Feature” (sowas ist ja marketingtechnisch immer wichtig), bei meinen Angeboten nur kostenlose Programme zu verwenden, die den TeilnehmerInnen anschließend auf CD mitgegeben werden können. So könnten sie das Erlernte direkt zu Hause weiter nutzen und vertiefen, ohne Geld für Software ausgeben zu müssen oder sich diese illegal über das Internet zu beschaffen.So fing ich an, mich ganz langsam mit Gimp anzufreunden — das mir zunächst noch suspekt war wegen der ungewohnten Oberfläche.
Aber wirklich großartig war die Community, die ich im gimp-forum.de vorfand. Über die fand ich dann immer mehr Zugang zu Opensource-Software und auch Linux, zu welchem ich unter Einsatz von Schweiß, Tränen und Blut von mir und der Community wenige Monate später wechselte.
Ja, und auf diesem Wege wurde ich zur immer militanteren OS-Sektiererin😉

In welchem Umfang nutzt Du OSS Heute (Betriebssystem / Allgemein)?
In ganz beträchtlichem Umfang — da ich den Großteil meiner Zeit am PC verbringe und zu Hause mit Linux unterwegs bin und auch auf der Arbeit eigentlich nur OSS unter Windows verwende. Ob beruflich oder zu privaten Zwecken, ob für Produktives oder Sinnfreies.😉

Erzähl doch mal welche Programme Du verwendest und für welches Einsatzgebiet:
Inkscape benutze ich viel fürs Webdesign. Es eignet sich großartig für das erste kreative Brainstorming, was Layout und Farben anbelangt (gerade auch “in Echtzeit” gemeinsam mit KundInnen). Und die Möglichkeit, anschließend die einzelnen grafischen Elemente bequem exportieren zu können, ist ebenfalls äußerst praktisch. Die Anfertigung von Illustrationen (auch für den Anschließenden Import in Scribus oder Gimp) oder einfachen Flyern (die mit dem eigenen “Tintenspritzer” ausgedruckt werden sollen) sind ebenfalls häufige Einsatzgebiete.
Gimp ist mein geliebtes Grafikverarbeitungsprogramm. Bisher reize ich es allerdings noch nicht voll aus, der Hauptteil meiner Arbeit damit besteht aus dem Anpassen und (Nach-)Bearbeiten von Fotos und Grafiken für Websites und Flyer. Gimp bildet in Zusammenarbeit mit Scribus und Inkscape mein Top-Team. Ich führte auch schon häufiger erfolgreiche Gimp-Workshops mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch. Dabei ging es entweder um (einfache) Fotobearbeitung oder um das Kolorieren von eingescannten Zeichnungen.
Mit Nvu bzw. KompoZer befasste ich mir ursprünglich nur aus medienpädagogischen Gründen, da ich selber (nach Emanzipation von Frontpage😉 ) Websites längere Zeit ausschließlich von Hand codete. Aber seit KompoZer 0.7.10 draußen ist, erstelle und bearbeite ich jetzt auch meine ersten gewerblichen Projekte darin. Dieses Programm hat sich wirklich großartig gemacht! Obwohl es natürlich noch vereinzelte Wermutstropfen gibt. Aber wirklich ein Glück, dass Kaze sich der Sache angenommen hat, nachdem Linspire die Entwicklung von Nvu eingestellt hatte.
Scribus ist eins meiner wichtigsten Programme überhaupt. In meiner Anfangszeit setzte ich DTP-Aufgaben noch in Inkscape um, weil ich zu Beginn ziemliche Probleme mit Scribus hatte. Mittlerweile sind wir beste Freunde. Schade ist nur, dass es immernoch Probleme mit verschiedenen Format-Standards gibt, so dass ich öfter gezwungen bin, das fertige Werk von einem Chat-Freund mittels kommerzieller Software zu konvertieren, bevor es an die Druckerei geht.
Quanta+ ist mein präferierter Quelltext-Editor. Momentan aber wie gesagt von KompoZer vom Thron geschubst.
In Blender mache ich gerade (im zweiten Anlauf) meine ersten Schritte. Das ist ja ein sehr komplexes und wie ich finde, nicht gerade intuitiv bedienbares Programm. Aber das, was es alles kann, will ich mir nicht entgehen lassen. Besonders interessieren mich daran die Animations- und Video-Compositing-Möglichkeiten, als auch die, dreidimensionale Website-Elemente zu erstellen.
Weitere OSS, die ich nicht missen will:
Kdenlive, das ‘niedrigschwelligste’ Videoschnitt-Programm, das ich in der OS-Welt gefunden habe (besonders mit Hilfe des dazugehörigen deutschssprachigen Wikibooks), leider, leider nicht unter Windows lauffähig. phpBB3, absolut großartig sowohl von User- als auch Admin-Seite, nicht zu Letzt auch Dank der hilfsbereiten, kompetenten Community. Notepad++, mein Quelltext-Editor unter Windows. Kwrite, mein Texteditor unter Linux für kleine Jobs. OpenOffice Writer & Impress fürs Schreiben und Präsentieren. Kontact, Mail-, Termin-, Kontakte- und Kalender-Managment für Chaoten wie mich. Kopete, unerlässlich um nächtlichen one-on-one Support zu bekommen oder in den IRC-Kanälen rumzuhängen😉 . FireFox, ohne geht nicht. Schon gar nicht ohne 3 kg unverzichtbarer Addons. Konqueror, ebenfalls unerlässlich für mich, als Dateimanager und FTP-Client und dank einiger hübscher kleiner Plugins (Kim, PACPL-Convert, etc.) auch für verschiedene andere kleine, aber wichtige Jobs. Amarok, der Slogan “rediscover your music” trifft es schon ganz gut.

Erkläre bitte zu einigen Bildern die Entstehung/ Ausarbeitung und Idee dahinter:
Meistens starte ich mit einer Bleistift-Skizze ganz analog auf Papier. Das wird dann gescannt und je nachdem entweder in Gimp optimiert (Radiergummi & Kurven-Dialog) und koloriert (Pinsel und Weichzeichner) oder in Inkscape manuell mit Bezierkurven nachgebaut (Letzteres geht auch gut mit Fotos).
Je nach Komplexität des Motivs zeichne ich auch eine erste Skizze via Grafiktablett mit Freihand-Tool und Live-Shapes in Inkscape und konstruiere die dann fertig.

Du machst ja auch Musik, verwendest Du hier auch Programme wie MuSe,Lmms,Ardour?
Bisher noch nicht wirklich. Mit einem Freund (seines Zeichens Vollzeit-Linux-Nerd) habe ich aber ein entsprechendes Projekt angeleiert: In dem Mädchen Medien Zentrum, in dem ich arbeite sollte ich ein kleines Tonstudio einrichten, wobei mir freie Hand gelassen wurde. Das Budget war mit etwas mehr als 700€ für diesen Zweck natürlich ziemlich knapp. Was lag da näher, als nicht unnötig Geld für kommerzielle Software auszugeben, sondern es mit OSS zu versuchen? Über das Internet bekam ich dann Kontakt zu einem der Hauptverantwortlichen der neuen Audio-Distribution JAD. Dank dem (überwiegend ehrenamtlichen) Engagement dieser beiden Linux-Kollegen konnten wir das Projekt fertig stellen. Leider konnte es bisher noch nicht wirklich eingesetzt werden, da bisher die nötige Zeit und Muße fehlte. Das soll sich jetzt aber bald ändern.
Aber, um auf die Frage zurückzukommen, im Rahmen dieses Projekts hatte ich ersten Kontakt mit LMMS und Ardour, die sich mir recht praktikabel darstellten; besonders durch meine Vorerfahrung mit Digidesign ProTools, welches große Ähnlichkeit mit Ardour hat (bzw. umgekehrt😉 ).

Wenn jemand Lust auf freie Software bekommt, welchen Rat gibst Du?
Sich eine freundliche Community suchen. Das habe ich immer wieder als eine der größten Segen von OSS erlebt: Die Gemeinschaft, die durch ihre idealistische Einstellung (und einer guten Portion David-gegen-Goliath-Motivation) einem unglaublich großartige Dienste erweist. Leider muss ich auch sagen, dass es “in der Szene” auch viele elitäre, selbstgefällige “Snobs” gibt, von denen man eher herablassende Kommentare und wenig Hilfe erwarten kann. Meiner Wahrnehmung nach finden die sich aber eher in der Linux-Sektion und weniger gehäuft im kreativen Bereich.
Dann diverse Tutorials durcharbeiten, die es ja glücklicherweise zu Hauf gibt um sich die Basics anzueignen. Und immer schön die Foren-Suche benutzen vorm Thread-Erstellen, dann klappts auch mit der Community😉
Mit Glück findet man auch eine fortgeschrittene Person, die einen an die Hand nimmt (via Chat) und geduldig in die Materie einführt.

Zukunftspläne nächste Vorhaben/Projekte?
Natürlich werde ich weiter an der Online-Support-Front tuen, was ich kann. Aber auch im Real-Life werde ich das künftig noch mehr ausbauen können, da ich just mit meinem Studium fertig bin und jetzt noch mehr im medienpädagogischen Bereich tätig bin. Das o.g. Musik-Studio soll ja auch langsam mal in Betrieb genommen werden.
Ansonsten biete ich auch immer gerne Übersetzungs-Jobs an, bei Wikis, Websites oder Dokumentationen. Aktuell z.B. den KompoZer-Guide von Charles Cooke.
Oder ich geh Leuten gezielt mit Vorschlägen und Ideen auf die Nerven, so entstand z.B. damals auch (dank eRin, dem Betreiber der Gimp-Forums) das deutsche Inkscape-Board.😉
Allgemein bin ich offen für alle Projekte und Aktionen, die OSS pushen und promoten sollen. Es ist schließlich noch einiges zu tun, bis die Weltherrschaft erreicht ist und ich bin für alle Schandtaten bereit!

Vielen Dank für das Interview Ill !

Hier sind zwei Links zu Illja Lauber (Klick):

http://illdesignz.de/

http://picasaweb.google.de/Lillith66

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